Teil 1 „Dunedin und Roger the Bus“

Anfang des Jahres, wir waren noch in der Schweiz, es war kalt und draußen waren die Straßen voller Schneematsch. Nichts mit Schneebedeckten Bergen und Kaminfeuer, mehr so nasse Füße und Hotelzimmer. Das sind immer die Zeiten in denen man am meisten von der nächsten Reise träumt. So auch wir.Geplant ist ja schon lange, mit dem Camper um die Ostsee zu fahren und in Norwegen wieder zu arbeiten. Bis jetzt sind es dann spontan immer andere Länder geworden, aber dieses mal sollte es im Sommer wirklich mal Richtung Norden los gehen…Doch dann, eines Morgens, viel mir auf, dass das wozu man ewig sagt „Das ist ja noch lange hin!“ irgendwann garnicht mehr so weit in der Ferne liegt. In diesem Fall: Fritz 30. Geburtstag…Was?! 30? Da war doch was…Ein Working-Holiday-Visa für Neuseeland bekommt man leider nur bis zum abgeschlossenen 30. Lebensjahr und nur 1 Mal im Leben. Fritz war zwar schonmal auf Wanderschaft dort, aber nur mit einem Touristenvisa und ich wollte schon immer mal hin. Also hab ich das Ganze vorgeschlagen und ca. 2 Wochen später hatten wir unsere Visa-Bestätigungen.Ab dann hat man ein Jahr Zeit um in Neuseeland einzureisen. Wir arbeiteten also noch bis Ende Juni in der Schweiz, genossen den Sommer ausgiebigst mit Familie und Freunden und machten einen kleinen Osteuropatrip. Aber am 22. Oktober sollte es dann endlich losgehen.

Es geht los!

Man könnte denken „Was ist daran so schwer? Setz dich in den Flieger und flieg!“Aber das wäre zu einfach…es ist ja auch viel spannender wenn man fast den Flieger verpasst.Aber von vorne:Die allgemeine Richtung um nach Australien oder Neuseeland ist eigentlich klar. Man fliegt richtung Osten, meisten mit Zwischenstop in Singapur oder Dubai ind vob da aus weiter nach Aukland oder Christchurch. Aber nicht mit mit knappen 100 Kilo Gepäck…100 Kilo? Jap, wir haben ja vor zu Arbeiten und Fritz ist Zimmermann. Er hat also im Vorhinein 1 Woche damit verbracht, sein wichtigstes Werkzeug zu sortieren und sauber zu machen. Trotz das er nach seinen Angaben „nur das Wichtigste“ eingepackt hat, kam er auf fast 70 Kilo Gepäck, aufgeteilt auf drei Kisten.

Im Reisebüro fanden wir dann heraus, dass die meisten der gen Osten fliegenden Fluggesellschaften, zwar pro Passagier 33 Kilo Gepäck zulassen, aber sich auch jedes Kilo mehr, ordentlich bezahlen lassen. Sodass wir auf eine horrende Summe gekommen wären. Die Alternative war dann in die andere Richtung zu fliegen, denn bei United und mit Zwischenstop in San Francisco, zahlt man nur pro zusätzliches Gepäckstück à 23 Kilo. Gut! Wir also mit unseren 4 Gepäckstücken zum Flughafen, 3 Stunden vorher und mit ausgefülltem Zolldokument für Fritz‘ Werkzeug. Damit sollte es dann beim Zoll schnell gehen, damit Fritz sein Zeug auch wieder mit nach Hause bringen darf.

Dann nahm das Drama seinen Lauf…

Auf unseren Buchungsunterlagen stand nur in welche Halle wir am Flughafen müssen. Den Rest findet man ja da raus…dachten wir. An der großen Tafel angekommen, wollten wir checken an welchen Schalter wir müssen. Da stand unser Flug noch nicht, aber dann warten wir halt ein bisschen. Ist ja noch früh. 2 Stunden vorher, ich, schon seit ner halben Stunde unruhig, Fritz wie immer gechillt. 1:45 vorher, mir reichts, das kann nicht sein. Wir müssen diesen Schalter finden. Quer durch die Halle zu einem Infoautomaten, aha, Schalter direkt um die Ecke.Um 17:00 ist Abflug.Wir zum Schalter, keine anderen Reisenden mehr da. Wir erklären, das wir Extragepäck aufgeben müssen und dieses auch noch beim Zoll angeben müssen. Gut, kein Problem der Zoll ist direkt gegenüber und zahlen können wir gleich am Schalter…aber nur mit Kreditkarte.Leider war das Geld aber noch nicht auf der Kreditkarte angekommen. Man erklärte mir, dass es aber in der Nähe eine Reisebank gäbe, bei der ich Geld einzahlen könnte. Ich zur Bank, Fritz richtung Zoll. Bank bis 16:00h geschlossen…seltsam, es ist schon 16:05 und noch keiner da.Ich zur Info um zu fragen wo es einen PC gibt, um nach dem Geld zu schauen. Die Antwort, wieder unten.

Also wieder runter, PC gefunden, „Sorry, die funktionieren leider nicht“ Echt jetzt? Ich wieder zum Schalter, auf englisch erklärt was passiert ist, erklärt das ich drei andere Karten hab und auch mit Bargeld bezahlen könnte! Nee sorry geht nicht…Ja was dann? Nachdem ich dann völlig verzweifelt, mit Tränen in den Augen da gestanden hab, hat der Mensch von United dann doch mal beim Supervisor angerufen und nachgefragt, mit dem Ergebnis, dass unsere Koffer durchgewunken wurden, ohne zu zahlen. Wir sollen uns aber beeilen, der Flieger würde in 35 Minuten abheben!Fritz immernoch beim Zoll, beide Koffee ausgepackt, überall Werkzeug, aber kein Beamter. Was ist das Problem? Der Zoll hat einen Systemausfall und dee Beamte weiß nicht wie er das ganze händisch ausfüllen muss und einfach den von uns vorbereiteten Wisch unterschreiben will er auch nicht. Wir warten…Mittlerweile sind es noch 25 min bis Boarding Ende. Ich renne zur Info, sie sollen am Gate bescheid sagen, dass wir kommen. „Oh moment, ich weiß garnicht wie die Vorwahl von diesem Gate ist. Ich muss kurz die Kolegin fragen.“ Klar kein Ding wir haben Zeit. Beim Gate meinte man, man würde nicht warten, wir hätten 20 min…Der Beamte kommt, mittlerweile ist auch Fritz unruhig. Er wüsste aber immernoch nicht, was er tun sollte und wir sollten uns doch bitte etwas gedulden. Ok Kolege.15 min vor Abflug: Ich renne vor zum Sicherheitscheck…Stau. Fritz kommt 3 minuten später, der Beamte hat wiederwillig unterschrieben. Wir drängeln uns bettelnd vor, gehen durch den Sicherheitscheck, aber unsere Taschen liegen noch am anderen Ende, vor dem Scanner. Inklusive unserer Pässe. Ich renne zum Gate um zu sagen das wir fast da sind: „Haben sie die Pässe, dann können wir sie schon einbuchen?“ „Nein, die liegen noch im scanner“ „Sorry, die brauchen wir“Ich wieder zurück, Fritz‘ Tasche durch, jetzt ist es an ihm zu laufen. Meine würden sie gerne auf Sprengsätze kontrollieren. WAS? „Unser Gate schließt in drei Minuten! Ich schwöre, ich habe keinen Sprengstoff dabei! Bitte!“ „Ja jetzt bekomm ich hier auch irgendwie auch kein Bild auf meinen Monitor…(unsicheres umschauen) na dann passt das so, guten Flug!“ 2 Minuten bis Gate closing laufe ich also auch los. Am Gate wartet das halbe Bodenpersonal, die Crew begrüßt uns mit „Sie haben es geschafft, es ist alles gut“ Hinter uns schließen sich die Türen und während wir noch unsere Plätze suchen, fängt der Pilot an zu reden („Boarding is now completed, we are ready to take off“) und das Flugzeug wird abgekoppelt. Nass geschwitzt, außer Atem und fassungslos, was alles schief laufen kann und wie knapp das ganze war, setzten wir uns hin und bestellten bei dee ersten Möglichkeit erstmal ein Bier.Der Rest der Flüge verlief dagegen völlig reibungslos und es haben tatsächlich alle unsere Gepäckstücke bis nach Neuseeland geschafft. Was für mich an ein Wunder grenzt.Das Highlight des Flugs nach San Francisco war auf jeden Fall, dass wir im Morgengrauen über Grönland geflogen sind.

Diese weite Schneelandschaft,so unberührt, der Wahnsinn!

Dunedin

Jetzt sind wir auch schon einen Monat in Neuseeland. Unsere erste Anlaufstelle Dunedin haben wir auch seit dem noch nicht wirklich verlassen. Wir sind hier bei bekannten untergekommen, bei dennen es für Fritz ne Menge Arbeit am Haus gibt. Wir haben dann erstmal eine Simkarte besorgt, ein Konto eröffnet und eine Ird-Nummer beantragt. Ohne das kann man nämlich garnicht hier arbeiten. Als sich rauskristalisierte, dass wir noch ein wenig länger hier bleiben wollten, suchte ich mir auch einen Job und bis jetzt seit 4 Wochen in einem Restaurant auf der Peninsula, wie man die Halbinsel hier nennt.Wir leben hier in unser eigenen kleinen Hütte, es gibt zwei Schweine, 3 Hühner, 5 Schafe, 2 Katzen und Jörgs großen Garten!

Auch wenn das Wetter am Anfang noch nicht so geil war, sind wir dann doch direkt mal zum Strand gefahren. Denn irgendwie ziehts einen immer zum Wasser!Dann wurde uns aber noch Aramoana empfohlen, der angeblich der schönste Strand weit und breit sein soll und es stimmt, der ist wirklich schön!„Fun“ Fact:

Aramoana ist nur ein ganz kleines Dorf, was im Grunde nur aus Caravans und Dauercampern entstanden ist und hat Neuseelands ersten Massenmörder hervor gebracht. Einmal ausgerasstet hat er ganze 19 Menschen erschossen. Einfach so…

Die Seelöwen liegen hier übrigens einfach so am Strand rum und sonnen sich. Meistens bedecken sie dann ihren Körper mit Sand, so das man sie fast nicht sieht. Nicht nur aus diesem Grund wäre Fritz fast über einen gestolpert. Was ich sehr gefeiert hätte, das Bild wie Fritz neben einem Seehund im Sand liegen würde und der ihn schräg angucken würde, hätte ich sehr gerne gesehen 😀

Ein weiteres Highlight diesen Monat, war auf jeden Fall auch der Morgen, an dem wir zum Fischen auf den Pazifik gefahren sind. In Neuseeland braucht man nämlich keinen speziellen Boots- und Angelführerschein, sondern einfach nur ein Boot und eine Angel. So ging es für uns also morgen um halb sechs mit dem Boot raus…genau meine Zeit. Die Sonne ging gerade auf und tauchte die gesamte Küste in orangenes Licht, wirklich schön! Fast eine Stunde braucht man um mit dem Boot die Bucht von Dunedin zu verlassen und bei Aramoana den Pazifik zu erreichen und nochmal eine Stunde um im geeigneten Gewässer zu sein um Blue Cod fischen zu können. Schön wars, da wo wir still hielten…aber, wir hielten halt auch still, also zumindest fuhren wir nicht mehr. Die Wellen sind aber trotzdem da und mein Magen war es plötzlich auch. Tja, wärend die anderen also die Angeln ins Wasser gleiten ließen und die ersten Fische aus dem Wasser zogen, lernte ich die Küstenbegebenheiten der Südinsel auswendig wärend ich starr versuchte meine Augen auf dem Horizont zu halten und meinen Magen zu beruhigen. Half alles nix, irgendwann hab ich die Fische angefüttert und die anderen haben sie geangelt. Ist halt nur leider nicht wie beim Alkohol, wo man weiß „Wenns einmal raus ist, gehts dir besser“Trotzdem wurde es ein bisschen besser und ich konnte ein paar Fotos machen. Das Wetter war mega und Fritz konnte trotz Kurbelangel einige Fische rausziehen. Irgendwann hatte Jörg die Idee, dass ich einfach immer das Boot fahre und sie zu guten Angelplätzen bringe. Damit hatte ich meine Aufgabe auch gefunden und konnte meinen Magen vergessen und am Ende sogar noch selber Fischen.Und wie wahnsinnig blau dieses Wasser war! Nachdem noch auf dem Wasser alle Fische ausgenommen und filetiert wurden, durfte ich den ganzen Rückweg bis zur Bucht fahren. Dort gesellten sich dann noch 3 Delphine zu uns!Trotz Sonnenbrand und Magen war es ein sehr cooler Tag!In den Stunden zwischen Ausflügen und Arbeit verbrachte Fritz quasi jeden freie Minute damit, nach Autos bzw. Bussen zu gucken. Wir fuhren alle Gebrauchtwagenhändler Dunedins ab, doch die besten Angebote gab es im Internet.

Roger the Bus

So kam es also, dass Fritz sich eines Tages in einen Bus verknallte. Ich muss zugeben, dass ich am Anfang wirklich nicht so begeistert war. Für mich machten die Bilder alle keinen Sinn und es war mir ein Rätsel, warum Fritz auf einmal doch Busfahrer werden wollte. Auf den Bildern im Internet konnte man nicht erkennen, was sich der Bauherr dabei gedacht hat…keine Küche, 2 winzige Betten und wo isst man? Naja, ich dachte mir das die Bilder vllt einfach nur ein bisschen ungünstig geschossen wurden und es mit Sicherheit einen Clue gibt, wo aus den 2 Betten 1 Großes wird und irgendwo ein Tisch auftaucht. Wir fuhren hin und es gab keinen Clue und keinen Trick. Der Ausbau war einfach Schwachsinn. Keine Küche, weil sie Angst vor Gas hat, kein Licht weil sie Angst vor der bestehenden Verkabelung hat und 2 Betten, weil ist halt so.

Seltsam…Aber ok, jedem das Seine.

Uns war also klar, dass wir quasi von neuem beginnen müssen. Nur die Dusche und das Klo sahen soweit ok aus. Außen machte der Bus einen ganz guten Eindruck und das Fahrverhalten passte auch. Nach einer Nacht bedenken, sind wir am gleichen Tag noch zum Ummelden gefahren und ab da hatten wir Roger. Noch als dunkle, seltsame Höhle getarnt, mit zig Teppichsamples an der Wand, PVC-Samples auf dem Boden und da wo kein Teppich war, mit seltsamen Bilder verkleidet, wurde Roger von Greymouth nach Dunedin überführt.

Sonntags morgens ging ich zur Arbeit und als ich Abends zurück kam, war nichts mehr im Bus…außer der Ofen.

Fritz hatte morgens angefangen und immermehr gefunden was weg musste, auch die uralte Dusche, die wir eigentlich behalten wollten, war verschwunden weil nass. Aber gut, alles weg, dann konnten wir ihn zumindest so bauen wie wir es uns vorstellten. Am gleichen Abend fanden wir auch raus, dass der Ofen definitiv zu nah an die Wand gebaut war…wir haben mit Bier gelöscht und die Wand auch noch entfernt.

Ab da folgten viele Stunden Arbeit am Bus, zwischen arbeiten am Haus und im Restaurant.

Wir beiden waren uns schnell einig und hatten gute Ideen, leider ist Fritz der jenige der das ganze dann umsetzen musste, ich konnte dann erst im späteren Stadium einsteigen. Vieles am Bus ist recycled, aus Holzabfällen der Werkstatt und aus Sachen, die wir auf dem Schrott gefundem haben. So hielten sich die Ausgaben zumindest für den Innenausbau in Grenzen. Arbeit war trotzdem genug…

6 Wochen hat der Umbau gedauert. Wir haben in der Zeit beide noch weiter gearbeitet und hauptsächlich abends bzw. morgens und an den Wochenende am Bus gewerkelt. Am Ende fehlte nur noch der Gasanschluss für heißes Wasser und den Kocher, was wir aber erstmal verschoben haben. Die Gasflasche steht jetzt direkt neben dem Kocher, also können wir trotzdem kochen. Wir müssen aber wohl noch etwas suchen bis wir jemanden finden der unser Gas anschließt 😀

Egal, wir sind sehr zufrieden und fühlen uns wohl!

Was meint ihr?

1 Gedanke zu „Teil 1 „Dunedin und Roger the Bus“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.