Marokko, die Wüste rückt näher (Monat 2)

Weiter gehts mit Monat 2 in Marokko. Dieser startete generell ziemlich gechillt. Nachdem wir in Agadir nochmal Bier und andere Grundnahrungsmittel aufgefüllt haben, hangelten wir uns nach und nach die Küste richtung Süden entlang. 

Unser erster Stop war Tifnit. Dort standen wir, inklusive Max und Selma in ihrem T3 und 6 anderen Womos, oberhalb des kleinen Dorfes an der Grenze zu Dünen und Strand. Da wir weder eine Sperre noch Allrad haben, ist der Sand unser schlimmster Feind 😀 Wenn man nach Tifnit rein fährt, denkt man „ui, ganz schön runtergekommen“, bis man merkt, das man im Grunde nur die Hinterhöfe sieht. Nimmt man sich die Zeit, am Strand vorbei zu schlendern, entdeckt man viele kleine Häuschen, die ihren Charme zum Meer hin zeigen. Kleine Surfer-Cafes, blau-weiße Fasaden und ab und zu ganz bunte, mit Mosaiken verzierte Häuser, machen das Fischerdörfchen aus. Zur Feier des Tages kauften wir einen riesigen, fangfrischen Fisch, den wir am Abend grillen wollten. Leider verscheuchte uns das Militär, bevor wir unseren Plan umsetzen konnten. Wir mussten auf einen, in der Nähe gelegenen Campingplatz ausweichen. Kurz vorher lernten wir am Strand einen Gärtner auf der Walz kennen und ab da an wohnten wir 8 Tage lang zu Dritt im Bussi. Nachdem wir umgeparkt hatten, gönnten wir uns dann doch noch den Fisch, so gegen halb 12 Nachts war angerichtet.

 Dass, das Militär solche Plätze öfter mal räumt ist bekannt. Im Grunde kann einem das hier immer passieren wenn man frei steht. So wird versucht, der steigende Zahl an Womos und Reisemobilen an bestimmten Stellen her zu werden. Andere Meinungen sagen, dass so die Campingplätze am Leben gehalten werden. Ein anderes Problem, dem wir in Sidi Rbat schon zum 2. Mal gegenüber standen, ist der mehr oder weniger verbotene Alkoholkonsum der Marokkaner. Man sollte ja meinen, es würde nicht getrunken. Aber dem ist nicht so. Es wird getrunken, gepöbelt und einen auf dicke Hose gemacht, so wie in Deutschland und dann auch gerne mal bei Touristen. Wer Nachts aufmacht hat quasi verloren, dann wird man sie nicht mehr los. Hat man dann auch noch Bier in Sichtweite ist es ganz vorbei…wir sind dann immer im Zwiespalt. Gibt man ein Bier und hat seine Ruhe oder riskiert man die Wut eines Betrunken abzubekommen. Da unsere Scheiben nicht so einfach zu ersetzen sind, opfern wir meistens das Bier, mal mehr und mal weniger erfolgreich. Aber unsere Scheiben sind bis jetzt noch unbeschadet davon gekommen. (Toi Toi Toi) 🙂

Am 26. Januar stand in unserer Reisegruppe ein Geburtstag an. Dem zum Grunde trafen wir uns an einem Strand südlich von Tiznit, wieder mit alle Mann. Leider musste Andreas einen Tag vorher schon die Heimreise antreten, wofür aber Bine und Peter mit ihrem August (der Reisewagen) zwei Nächte zu uns stießen. Ganze 5 Nächte standen wir hinter den Dünen direkt am Strand, in vollkommener Abgeschiedenheit,  spielten Frisbee, strickten und stickten, tranken Bier und machten Lagerfeuer. 

Wir hätten noch eine Woche dort stehen bleiben können, doch irgendwann ist auch der größte Wasservorrat aufgebraucht und das letzte Gemüse gegessen. Mit einem kurzen Stop bei den natürlichen Bögen bei Legzira ging es für uns nach Sidi Ifni. Leider ist einer der ursprünglichen 4 Bögen, mittlerweile eingestürzt, was uns davon abhielt, unter den anderen durchzulaufen. Trotzdem war es cool zu sehen und ist auf jeden Fall einen Abstecher wert. 

Sidi Ifni an sich, hat viel von ihrem ehemaligen spanischen Flair verloren. An manchen Stellen kann man den Baustil zwar noch erkennen, aber vieles wirkt und ist sehr herunter gekommen. Und doch fanden wir genügend Gründe um 3 Tage zu bleiben. Der erste war, der Souk, der mit viel frischem Gemüse und einer riesigen Auswahl an frischem Fisch bestach. Der zweite war, die netten Leute, die wir auf dem Campingplatz trafen und die uns ihre vielen, verschiedenen Geschichten erzählten. Und der dritte war, wir konnten endlich nochmal das Surfen ausprobieren, denn wir haben uns unsere ersten, eigenen Wetsuits und ein Board gekauft. Wir haben letztes Jahr in Holland nochmal einen Surfkurs gemacht uns beide einen Narren dran gefressen, weswegen wir es endlich weiter ausbauen wollten. Wir sind jetzt aber leider schon südlich von den besten Surfspots für Anfänger, je südlicher man fährt, desto windiger wird es. Es bricht eine Welle nach der nächsten und das macht alleine das hinauspaddeln mega anstrengend. Aber wir haben es trotzdem probiert und es hat Spaß gemacht. In Spanien und Portugal werden wir es auf jeden Fall weiter versuchen. 

Von Sidi Ifni aus, starteten wir weiter Richtung süden. Der Plage Blanche ist ein 60km langer Strand mit angeblich weißem Sand. Es gibt verschiedene Routen die dirt hin führen. Einen über Straße und Pisten, eine über den Sand und eine auschließlich über Pisten. Wir entschieden uns für die Piste, obwohl uns Peter und Bine rieten, dies nicht zu tun. Da man ohne Allrad eventuell schwierigkeiten bekommen könnte. Da wir uns aber in Gesellschaft eines T3 und eines Bremers befanden, versuchten wir es doch. Es hieß ja schließlich,  nur der Einstieg zur Piste wäre kompliziert. Soweit so gut. Ausgestattet mit Proviant für 3 Tage, fuhren wir ohne Probleme nach Foum Assakka, komplett über Asphalt. Dort verbrachten wir eine ruhige Nacht am Strand. Am nächsten Tag standen wir dann vor dem Einstieg in die Piste… ich muss sagen, ich hatte Angst…wirklich Angst. Auf das was kam war ich nicht vorbereitet und der Inhalt der Feuerwehr auch nicht. Alles ist durch die Gegend geflogen, was nicht festgemacht war. Fritz ist ein guter Fahrer und die Feuerwehr ein tüchtiges Auto. Nur so viel, wir haben es unbeschadet nach oben geschafft unf man hat mir erzählt, dass es von draußen garnicht so schlimm ausgesehen hat. Aber von drinnen, wars garnicht so geil. Naja, als wir dann oben waren, hatte sich der Weg schon gelohnt. Denn die Landschaft die wir in den beiden darauf folgenden Tagen vorfanden, war toll! 

Wir fuhren über Steinpisten, Berg hoch, Berg runter, durch einsame Dörfer bis zum Fort Bou Jerif. Die Ruinen des Forts liegen in mitten einer Sand und Steinlandschaft, irgendwo zwischen Guelmim und Tan Tan. Ursprünglich war der Plan die Nacht dort zu verbringen, nachdem wir durch das alte Fort gelaufen sind. Doch es war kaum möglich aus dem Auto zu steigen, ohne komplett gesandstrahlt zu werden. Der Sand kommt einfach überall rein, daher entschieden wir uns noch ein Stückchen weiter bis zu einem Flussbett zu fahren. An dessen Ufer verbrachten wir dann die Nacht und konnten am Morgen die wunderschöne Natur bestaunen, die durch die Nähe zum Fluss, an dieser Stelle wie eine kleine grüne Oase zwischen dem ganzen Sand war. Die nächste Etappe, wurde für uns vorallem ab da spannend, nachdem wir die Anderen verloren hatten und plötzlich alleine auf weiter Flur standen. Wir sind nicht die schnellsten und in der „Wüste“ mal schnell über den nächsten Hügel zu fahren und dann denken man fände den gleichen Weg wieder zurück, ist halt etwas naiv. Wir hatten es also alle irgendwie unterschätz. Ohne Navi und ohne Handy/GPRS standen Fritz und ich dann irgendwo in der Steinwüste in der nähe das Plage Blanche. Mit dem Feldstecher guckten wir uns um und sahen zwar eine geile Landschaften, aber sonst weit und breit nichts. Doch dann entdeckten wir eine Herde Ziegen ein bisschen weiter entfernt. Wir fuhren hin und fragten die Kinder, die dort auf die Herde aufpassten, nach dem Weg. Zuerst wurde Fritz mit schallendem Gelächter empfangen, doch mit einem BonBon konnte er dann doch rausbekommen, in welche Richtung sich ungefähr die Piste nach Tan Tan befindet. Anschließend breiteten wir unsere Karte aus, stellten den Kompass darauf und fuhren ab da, ganz Oldschool, nach Kompass richtung Süd/Osten. Und siehe da, nach 3 Stunden kamen wir tatsächlich dort raus, wo wir rauskommen wollten. Karte, Kompass und ein bisschen Bauchgefühl führen also doch zum Ziel 😉

Wir fuhren nach TanTan Plage um dort nochmal alle Vorräte aufzufüllen und uns wieder mit Klara, Matthias und Pelle zu treffen. Wieder mit der ganzen Gruppe vereint fuhren wir dann zum Lac Naila Nationalpark. Dieser liegt zwischen Tarfaya und TanTan, auf dem Weg richtung Westsahara. Dort sieht man wie sich langsam wieder die Landschaft ändert. Man findet erste Dünen und Wanderdünen, die einem ab und zu auch mal ein bisschen die Straße versperren. Der Nationalpark liegt an einer Bucht, in die das Meerwasser hinein läuft und bei Ebbe ein Marchland frei gibt, auf dem sich verschiedene Vogelarten angesiedelt haben. Darunter auch Flamingos, die aber natürlich nicht wie die im Zoo pink sind, sondern weiß, bis maximal leicht rosa. Auch dort konnten wir fangfrischen Fisch direkt vom Fischer kaufen. 

Leider wurde es immer windiger, je weiter man in den Süden kam, wenn man dann auch noch auf einer Klippe, oberhalb vom Wasser steht, wird es fast schon ungemütlich. Wir beschlossen daher, am 07.02.2018 nur noch einen Tagesausflug nach Tarfaya zu machen und dort, an der auf Grund gelaufenen Canaren-Fähre, unseren südlichsten Punkt zu markieren. Wir tranken mit Matthias und Klara und Samu (dem reisenden Gärtner, der durch Zufall auf einmal wieder in der Türe stand) und Tom (mit dem wir kurz vorher gequatscht hatten) noch einen Abschiedskaffee und fuhren für eine Nacht zurück zum Lac Naila.

In den darauf folgenden Tagen, machten wir das erste Mal wieder richtig Kilometer. Wir fuhren quasi durch bis zur Oase Tighmert bei Guelmim, womit auch unsere Reise gen Osten startete. Aus der geplanten einen Nacht wurden mal wieder drei, an denen wir die Oase erkundeten und Kamelbrochette aßen. Am dritten Tag setzten wir aber dann endlich unseren geplanten Weg, ins nahe gelegene Fask, fort. Dort sollte es eine heiße Quelle geben. Der Weg dort hin verlief mal wieder über eine Piste, so braucht man für 7km mal locker eine dreiviertel Stunde. Aber ab und zu durch ein paar trockene Flussbetten fahren macht ja auch spaß. Die Quelle entpuppte sich dann als etwas unromantischer als gedacht. Ein abgeschnittenes dickes Rohr, das aus der Erde ragt und aus dem 40°C warmes Wasser ströhmt. Drum herum haben Menschen dann mit Sandsäcken eine Art Becken geformt. Nicht schön, aber wenn man wartet bis es dunkel ist, sich alle anderen Touris verzogen haben und über einem der Sternenhimmel funkelt, ist es eigentlich auch egal wie es aussieht. Wenn man dann zusätzlich noch ein kühles Bier in der Hand hat, ist es im Grunde perfekt 😉

Nach drei Tagen nahmen wir die Piste nach Tafraout. Diese führte durch Amtoudi, wo wir eine der größten Speicherburgen des Landes besuchten. Diese Agadire liegen meisten hoch oben auf einem Berg und sind in und auf den Berg gebaut. Dort hin konnte sich bei einem Angriff das ganze Dorf begeben und alle Vorräte waren gesichert. Teilweise erkennt man ein Agadir erst wenn man mit einem Fernglas direkt davor steht.

Wir fuhren weiter die Piste entlang und nächtigten an einem Flussbett irgendwo in der Wildniss. 

Die Piste führte uns immer weiter nach oben, die Landschaft änderte sich ständig und war wunderschön! 

Irgendwann mussten wir jedoch halt machen, da das Kugellager von Debbi und Dominiks Auto leider langsam den Geist aufgab. Da die Nacht herein brach, beschlossen wir direkt an Ort und Stelle zu campieren und mirgen die letzten 10km, bis zu den Blauen Steinen bei Tafraout, zu fahren. Dieser Plan ging leider nicht ganz auf. Wir schafften es gerade mal ins nächste Dorf, als nichts mehr ging. So wurde kurzerhand eine Bushaltestelle zur KFZ-Werkstatt umfunktioniert. Jeder der Mitfahrer hatte Ideen und das gesammelte Werkzeugarsenal konnte sich sehen lassen. Als dann noch Bo mit (zufällig!) dem richtigen Radlager vorbei kam, konnte das Projekt starten. Letzten Endes wurde aus einer Maurerkelle, ein Sicherungsring für das Radlager und die Reisetruppe konnte sich nach 5 Stunden auf die letzten 8km begeben. Auf Grund der guten Versorgung, durch Kaffee und frisch gebackenem Kuchen, war die Stimmung trotzdem die ganze Zeit gut 🙂

Im dunklen kamen wir schließlich bei den blauen Steinen, südlich von Tafraout, an. Am nächsten Morgen sahen wir dann erst wie schön die Umgebung war. Umgeben von Bergen und riesigen Steinvormationen, lagen die blauen Steine in einem kleinen Tal, umringt von blühenden Mandelbäumen, direkt vor uns. Trotz das die meisten Menschen wegen dieser „Kunst“ nach Tafraout kommen, fanden wir die umliegende Landschaft viel viel schöner! In die Stadt fuhren wir nur im einkaufen und um die örtliche Patisserie zu besuchen. Denn kleine süße Sauereien backen, können die Marokkaner 😉

Auch die Feuerwehr hat kulinarisch einiges zu bieten. Neben frischem Brot und Auflauf gab es am letzten Tag an den blauen Steinen endlich nochmal Pizza!

Unterhalb von Tafraout liegt das Ait Mansour Tal. Dieses fürhr in winem Rundkura durch einige Oasen und wunderschön Natur. Mit Debbi und Dominik begaben wir uns auf diese Zweitagestour. Das letzte Stück guckten Debbi und ich uns das Tal dann vom Dach der Feuerwehr an. Ich denke wir werden dieses Konzept jetzt als „Oldtimer-Phototour“ an die Touristen vermarkten und uns den nächsten Urlaub finanzieren.

Zum guten Abschluss des zweiten Monats hatten wir sogar nochmal Übernachtungsgäste dabei! Durch Zufall trafen wir Maike und Julja, auf dem Rückweg von unserer Oasentour. Maike war früher in Fritz Parallelklasse und die beiden wollte in die gleiche Richtung wie wir. Wir haben die Beiden eingepackt und auf unseren Trip nach Zagora mitgenommen. In der fölligen Pampa, kurz vor Tata verbrachten wir dann den letzten Abend mit echten Schweizer Rösti!

Ein Gedanke zu „Marokko, die Wüste rückt näher (Monat 2)

  1. Ein robustes altes Auto und ein mutiger Kerl können die Angst halt im Zaum halten. Schön, dass dass es gelingt! Möge es so bleiben. Papa ist stolz auf euch.

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